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Chain Home

Beschreibung des Radargerätes; ausgewählte Taktisch-technische Daten

Figure 1: The Chain Home Tower in Great Baddow Chelmsford

Bild 1: Der Chain Home Turm in Great Baddow, Chelmsford

Chain Home

Chain Home war der Codename für Radarstationen im Küstenbereich, die von den Briten vor und während des Zweiten Weltkriegs gebaut wurden. Deren technischer Name war Air Ministry Experimental Station (AMES). Das System bestand am Ende aus drei Arten von Radargeräten:

Die britische Regierung befürchtete einen deutschen Luftangriff und gründete im Jahr 1933 eine Arbeitsgruppe zur Fernerkundung von Flugzeugen. Robert Watson-Watt bewies die Machbarkeit der Erfassung mittels Funkwellen im Jahr 1935 und die Möglichkeit ein Netzwerk aufzubauen nachdem die Mittel 1937 zur Verfügung gestellt wurden. Es ist nicht das erste Radar, wie es oft fälschlicherweise gesagt wird. Andere Industrieländer haben im gleichen Zeitraum (siehe Geschichte des Radars) ähnliche und sogar wirksamere Geräte aufgebaut. Jedoch war die Chain Home der erste große Radarverbund, der für die Luftverteidigung eines Landes entwickelt und aufgebaut wurde.

Chain Home war ein bistatisches Radar. Jedes Radar bestand aus einem Sendeantennenturm von 110 m Höhe mit einer Senderstrahlbreite von 110° und einem weiter entfernten Empfangsantennenturm mit 73 m Höhe und einem Diagramm von ca. 90°.

Die Art und Weise der Positionsbestimmung der Ziele war ähnlich zu der eines Peilers durch manuelle Ausrichtung der Empfangsantennen in Seitenwinkel und Höhenwinkel. Der Bediener verglich dann die relative Stärke der Signale von den beiden Enpfangsantenne, bis die Richtung des maximalen Empfangssignals gefunden war. Für die Messung des Höhenwinkels wurden die Antennen an der Turmspitze und an der Unterseite des Turmes genutzt. Die Entfernung wurde durch Laufzeitmessung zwischen dem Aussenden des Sendeimpulses und der Enpfangszeit des Echos bestimmt.

Stationen der Chain Home arbeiteten mit einer variablen Frequenz an der Grenze zwischen Kurzwelle und Ultrakurzwelle. Meist geschah dies im Bereich von 20 bis 30 MHz, aber die Möglichkeit von Frequenzwechseln über einen großen Bereich erlaubte, aktiven Störungen entgegenzuwirken. Die üblichen Auffassbereich war etwa 190 km, das hing aber von der Höhe des Ziel ab: 40 km für ein Ziel auf 500 m und 134 km für eines auf 4000 m. Die Vakuum-Röhrensender wurden von Metropolitan-Vickers nach Plänen eines Radiosenders gebaut. Der Empfänger wurde nach den von der Telecommunications Research Establishment gegebenen Plänen von AC Cossor Ltd. gebaut.

Die Chain Home Low wurde im Jahr 1939 entwickelt. Sie verwendet ein schmalen Strahl mit einer Wellenlänge von 1,5 m (200 MHz) zum Erfassen größerer Reichweite in geringer Höhe (bis hinab auf 150 Meter). Die Türme des Radar waren kleiner und somit transportabel. Sie konnten auf einem LKW zu einer von der RAF für die Luftverteidigung bezeichneten Ort verlegt werden. Es war ein monostatischen Radar mit gemeinsamen Sende- und Empfangsantennen. Die Antenne bestand aus fünf Gruppen von jeweils vier Dipolen, die vor einem gemeinsamen Metallreflektor angeordnet waren.

Beschreibung des Radargerätes; ausgewählte Taktisch-technische Daten
Taktisch-technische Daten
  Chain Home  Chaine Home Low  Chain Home Extra Low 
Frequenz:  20 bis 50 MHz 200 MHz 3 GHz
Impulsfolgefrequenz (PRF):  12,5 und 25 Hz; 400 Hz 500 Hz
Sendeimpulsdauer (τ):  20 µs 3 µs 6,6 und 1,9 µs
Sendeleistung:  350 kW
später 750 kW 
150 kW 500 kW
angezeigte Entfernung:  300 km    
maximale Reichweite:  bis 190 km 40 km für 150 m Flughöhe  30 km für 15 m Flughöhe,
145 km für 1 800 m Flughöhe 
Öffnungswinkel:      Type 13: 1,5° vert. 7,5° horiz.
Type 14: 1° horiz. x 3° vert.
Antennenumlaufzeit:    1, 1,5, 2 oder 3,33 U/min. Type 13: 6 Schwenkzyklen pro min.

Im Jahr 1943 wurde die Chain Home Extra Low (Typen 13 und 14) im S-Band für den Nachweis bei sehr niedriger Höhe (bis hinab auf 15 Meter) entwickelt. Typ 13 war eine monostatische Radarstation mit einem Magnetronsender, welche wie ein Höhenfinder senkrechte Schwenkbewegungen von -1° bis +20° ausführte. Die Antenne wurde anfangs aus einer Gruppe von Dipolen in einem Raster von 6 m Höhe und 90 cm Breite gebildet. Später wurde diese Antenne durch eine Parabolantenne mit einen Schlitzwellenleiter im Brennpunkt ersetzt. Es gab jedoch Probleme mit dem mechanischen Schwenkgetriebe, so dass dieses Radar oft nur mit einem festen Winkel zum Horizont ausgerichtet betrieben wurde.

Der Typ 14 war ähnlich wie Typ 13, jedoch wurde die Antenne um 90° verdreht montiert um eine bessere horizontale Seitenwinkelgenauigkeit zu erreichen. Für eine bessere vertikale Abdeckung wurden zwei Antennen übereinander montiert. Eine davon zeigte flach auf den Horizont und die Zweite hatte einen kleinen Elevationswinkel.

Insgesamt wurden 59 Gerätesysteme vom Typ 1, 24 vom Typ 2 und 24 der Typen 13 und 14 gebaut.

Quelle: www.radarpages.co.uk: Chain Home, Chain Home Low und Chain Home Extra Low