Bild 1: Leistungs- Wanderfeldröhre VTR 572B des Luftverteidigungsradargerätes HADR
Bild 1: Leistungs- Wanderfeldröhre VTR 572B des Luftverteidigungsradargerätes HADR
Wanderfeldröhren
Wanderfeldröhren (TWT = Traveling Wave Tubes) sind breitbandige Verstärker. Sie nehmen daher eine Sonderstellung unter den Laufzeitröhren ein. Zusätzlich lassen sie sich, auf Grund der besonderen Rauscharmut, als aktives HF- Verstärkerelement in Empfängern einsetzen. Entsprechend ihrer Anwendung unterscheidet man zwei Gruppen von Wanderfeldröhren.
- Eingangswanderfeldröhren
werden eingesetzt als hochempfindliche, rauscharme und breitbandige Eingangsverstärker in Radaranlagen - Leistungswanderfeldröhren
verwendet man vor allem als Vorverstärker für Senderendstufen mit Kreuzfeldverstärkern.
Des weiteren wird hier dargestellt:
Bild 2: Wanderfeldröhre УВ-1Б aus russischer Produktion mit Oktalsockel
Bild 2: Wanderfeldröhre УВ-1Б aus russischer Produktion mit Oktalsockel
Aufbau und Funktion
Wanderfeldröhren sind rauscharme und breitbandige Mikrowellenverstärker mit einer großen Verstärkung. Es sind Verstärkungsfaktoren bis zu 40 dB bei einer Bandbreite von mehr als einer Oktave üblich. Wanderfeldröhren werden für Frequenzen ab 300 MHz bis zu Frequenzen von mehr als 50 GHz gebaut. Die Wanderfeldröhre ist in erster Linie ein Spannungsverstärker. Die hohe Bandbreite und der große Verstärkungsfaktor machen die Wanderfeldröhre zu einem weit verbreiteten Bauteil in der Radartechnik.

kanone
Bild 3: prinzipieller Aufbau einer Wanderfeldröhre
signal
Dämpfungsbelages
induzierte Spannung
der Elektronen
Bild 4: Verstärktes HF-Signal in der Wendel
signal
Dämpfungsbelages
induzierte Spannung
der Elektronen
Bild 4: Verstärktes HF-Signal in der Wendel
Bild 3 zeigt den prinzipiellen Aufbau einer Wanderfeldröhre. Ausgehend von der Kathode wird der Elektronenstrahl von dem Wehneltzylinder und einem äußeren permanenten Magnetfeld gebündelt und innerhalb der Wendel bis zum Kollektor geführt. Die in den HF - Eingang eingekoppelte Welle gelangt auf die Drahtwendel und pflanzt sich in Richtung HF - Ausgang fort. Aufgrund des längeren Weges (Wendel) den die Welle zurücklegen muss, wird die hohe Geschwindigkeit der Welle an die niedrigere Geschwindigkeit des Elektronenstrahls angeglichen, so dass sich beide nebeneinander, mit nahezu gleicher Geschwindigkeit auf den HF- Ausgang zu bewegen. Dabei beeinflusst die Welle mit seinen am Wendel entstehenden E- Feld örtlich die Geschwindigkeit des Elektronenstrahls, indem die Elektronen teilweise beschleunigt und teilweise abgebremst werden. Dadurch kommt es zu der von dem Klystron bekannten Dichtemodulation.
Die Abbildung 5 zeigt das durch die Welle erzeugte elektrische Längsfeld im Inneren der Wendelleitung.
Bild 5: Geschwindigkeitsmodulation der Elektronen und Detailfoto einer Wendel
Bild 5: Geschwindigkeitsmodulation der Elektronen und Detailfoto einer Wendel
Die Dichtemodulation beginnt bereits am Wendelanfang und erreicht am Wendelende ihre höchste Ausprägung. Die Frequenz der Dichtemodulation ist gleich der Frequenz der eingekoppelten Welle. Die durch die Dichtemodulation entstehenden Elektronenpakete beeinflussen im Gegenzug wiederum die Welle, indem sie ihr im Wechsel Energie entziehen und zuführen. Durch geeignete bauliche Maßnahmen wird erreicht, dass der Welle wesentlich mehr Energie zugeführt als entzogen wird und damit am HF - Ausgang ein erheblich verstärktes HF- Signal ansteht.
Charakteristische Eigenschaften
Bild 6: Kennlinie einer Wanderfeldröhre
Die erreichbare Leistungsverstärkung ist im Wesentlichen von folgenden Faktoren abhängig:
- konstruktiver Aufbau (z.B. Wendellänge)
- Elektronenstrahldurchmesser (durch die Flussdichte B des fokussierenden Magnetfeldes einstellbar)
- Eingangsleistung (siehe Bild 6)
- Wendelspannung UA2
Aus dem Bild 6 ist für kleine Eingangsleistungen ein linearer Bereich und damit eine konstante Leistungsverstärkung von etwa 26 dB erkennbar. Vergrößert man die Eingangsleistung, Steigt die Ausgangsleistung nicht weiter mit, das heißt der Verstärkungsfaktor sinkt. Es tritt eine Begrenzungswirkung ein, so dass bei sehr starken Eingangssignalen eine Übersteuerung der nachfolgenden Stufe (z.B. Mischstufe) verhindert wird.
Da bei der Wanderfeldröhre der Verstärkungseffekt durch Wechselwirkung zwischen
Elektronenstrahl und fortschreitender Welle auf einer Verzögerungsleitung erreicht wird, ist
für die erreichbare Bandbreite in erster Linie das Frequenzverhalten der Wendel verantwortlich.
Aus dem Thema „Leitungen” ist bekannt, dass nur
dann eine frequenzunabhängige Feldverteilung auf einer Leitung erreicht wird, wenn diese Leitung
angepasst betrieben wird. Diese Anpassung kann natürlich nur über ein begrenztes Frequenzband
aufrechterhalten werden, beträgt aber trotzdem Werte bis zu einer Größenordnung von mehreren Gigahertz.
Der wichtigste Parameter für den Einsatz der Wanderfeldröhre als Eingangsverstärker in Radaranlagen ist die Rauschzahl der Wanderfeldröhre, denn davon wird die Empfindlichkeit des gesamten Empfängers und damit die Reichweite der Radarstation bestimmt. Die Rauschzahl moderner Eingangswanderfeldröhren liegt bei 3 ... 10 dB. Hauptursachen des Rauschens sind:
- Schroteffekt (wie bei den Elektronenröhren);
- Stromverteilungseffekt (wie bei den Mehrgitterröhren);
- ungleichmäßiger Elektronenaustritt aus der Kathode.
Die Rauschzahl ist abhängig von der Größe der meisten Speisespannungen der Wanderfeldröhre. Sind die Spannungen an den Elektroden z.B. um 5% geringer als die Optimalwerte, so verdoppelt sich etwa die Rauschzahl.
Da eine Anpassung der Wanderfeldröhre nicht über das gesamte Frequenzband gewährleistet werden kann, kann es also trotzdem zu Reflexionen zwischen Eingang und Ausgang der Wanderfeldröhre kommen. Um die Gefahr einer Selbsterregung (Schwingen) zu verringern, wird die Wendel zusätzlich bedämpft. Diese Dämpfung wird entweder als:
- konzentrierte Dämpfung (Grafitbelag auf der Wendel oder auf der Wendelhalterung) oder als
- kontinuierliche Dämpfung (Wendel aus schlecht leitendem Material, z.B. Eisen, Nickel) realisiert
Ring-Loop TWT
Bild 7: Ring-Loop Verzögerungsleitung
Die Ring-Loop Wanderfeldröhre nutzt eine Sonderform der Verzögerungsleitung und erreicht dadurch eine etwas höhere Leistung. Durch deren parasitäre Kapazitäten hat sie allerdings mit nur 18 GHz eine wesentlich geringere obere Grenzfrequenz als Wanderfeldröhren mit Helix.
Die Verstärkung ist mit 40…60 dB wie bei der Helix-TWT, die Bandbreite beträgt jedoch nur etwa 5…15%. Im X-Band wurden 8 kW Impulsleistung bei etwa 400 W Dauerstrichleistung erzeugt.
Bild 8: Ring Bar Verzögerungsleitung
Ring-Bar TWT
Die Ring-Bar TWT hat ähnliche Eigenschaften wie die Ring Loop TWT. Die Verzögerungsleitung lässt sich aber leichter fertigen (wird mittels LASER aus einem Rohr geschnitten) und ist auch stabiler gegen Erschütterungen.
Bild 9: Coupled-cavity Verzögerungsleitung
Coupled-cavity TWT
Auch die Coupled-cavity Wanderfeldröhre nutzt eine Sonderform der Verzögerungsleitung. Es sind abgestimmte Hohlraumresonatoren, die der Elektronenstrom durchfließt und welche wechselseitig Schlitze aufweisen und somit eine gekoppelte Leitung ergeben. Der HF-Pfad (in der Grafik Blau) verläuft durch die Kopplungsschlitze in den Resonatoren im Zick-zack und kreuzt somit ständig den Elektronenstrom (in der Grafik Rot).
Durch die hohe Güte der einzelnen Resonatoren hat die Coupled-cavity TWT bei einer wesentlichen Leistungssteigerung aber eine bessere obere Grenzfrequenz, aber eben wegen der frequenzabhängigen Resonatoren auch nur eine sehr geringe Bandbreite.



