www.radartutorial.eu Grundlagen der Radartechnik

Feuerleitradar oder Zielverfolgungsradar

Radargeräte, welche ein einzelnes Ziel fortlaufend begleiten, werden „Zielverfolgungsradar” genannt. Meist werden mit diesen Geräten Waffensysteme gesteuert, deshalb spricht man oft auch von „Feuerleitradar”. Sie messen die Koordinaten eines Zieles, bestimmen seine Flugbahn und versuchen, dessen nächste Position vorauszusagen. Dazu können so oft nur ein einzelnes Ziel bearbeiten, aber dies mit extremer Genauigkeit. Zielverfolgungsradar wird militärisch oft als Feuerleitradar genutzt. Im militärischen Bereich werden beide Namen auch austauschbar verwendet.

HARD gekoppelt mit dem deutschen LeFlaSys (STN ATLAS Elektronik GmbH)

Bild: Das „Feuerleitwiesel”

Für eine Zielverfolgung mit Radar gibt es zwei unterschiedliche Methoden:

  1. Track-while-scan
    (gleichzeitige Zielverfolgung und Zielsuche) Hier arbeitet Radar vorrangig als Aufklärungsradar und such einen größeren Sektor nach Zielen ab. Wird ein Ziel entdeckt, versucht das Radar, dessen Flugbahn zu verfolgen. Bei dieser Methode können mehrere Ziele bearbeitet werden. Meist wird dazu das Monopulsverfahren eingesetzt.
  2. kontinuierliche Zielverfolgung
    Hierbei ist das Radar für eine direkte Zielverfolgung spezialisiert und ist in der Funktion „Zielsuche“ stark eingeschränkt. Deshalb wird oft ein zusätzliches Zielzuweisungsradar eingesetzt. Auf diese Weise wird nur ein einzelnes Ziel verfolgt. Diese Radargeräte können auch die ältere Methode der Minimumpeilung einsetzen.

Feuerleitradargeräte arbeiten typischerweise mit einem sehr schmalen, scharf gebündelten Antennendiagramm, nutzen eine sehr hohe Impulsfolgefrequenz (PRF) und einen extrem kurzen Sendeimpuls. Diese Merkmale bewirken zwar eine sehr hohe Genauigkeit in der Zielbegleitung, verringern aber die Reichweite und erschweren somit die Zielsuche in einem breiteren Sektor.

Feuerleitradargeräte müssen wegen dieser starken Bündelung ihre Antennen erst einmal in die Richtung des zu bekämpfenden Zieles steuern. Dieser Vorgang beginnt mit einem sehr breiten Antennendiagramm. Diese Phase der Zielbekämpfung wird „Zielsuche” genannt. Wurde das Ziel aufgefasst, wird ein schmaleres Antennendiagramm zum „Auffassen des Zieles” geschaltet. Ist das Ziel einmal durch das schmale Antennendiagramm aufgefasst, wird in den Modus „Zielbegleitung” umgeschaltet. Das Radar folgt nun allen Manövern des Zieles und die Waffensysteme werden auf das Ziel ausgerichtet. (Hierbei sind mehrere Begleitmethoden möglich.) Diese drei sequentiellen Phasen der Operation werden oft Modi genannt und sind der Zielverarbeitungsfolge der meisten Feuerleitradargeräte gleich (oder zumindest ähnlich).

Track-while-Scan ist ein Verfahren zur Kombination von Zielsuche und Zielverfolgungsfunktionen. Das Radar kann mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen. Diese Methode wird in Radaranlagen zur Flugverkehrskontrolle unter Verwendung von Informationen aus dem Sekundärradar verwendet. (Deren genauere Funktionen wird im Abschnitt Radarsignalverarbeitung erläutert.) Überwachungsradare in der Luftverteidigung können sich nicht auf diese Sekundärradarinformationen verlassen. Diese Radargeräte suchen einen Sektor nach Zielen ab und wann immer das Radar ein Ziel erfasst, berechnet es dessen Zielentfernung, Geschwindigkeit, Seiten- und Höhenwinkel. Nach mehreren aufeinanderfolgenden Zyklen kann das Radar einen genauen Zielweg konstruieren.

Aus diesem genauen Zielweg kann dann (im Fall der zivilen Flugsicherheit) ein sicherer Kurs ohne Gefahr von Kollisionen, oder aber (im Falle einer militärischen Anwendung) der genaue Treffpunkt mit dem notwendigen Vorhalt für die Luftabwehr berechnet werden.